Der Bau von Brücken dauert oft sehr lange. Das Arbeiten bei Wind und Wetter ist nicht immer optimal für die Qualität. Die Verlagerung möglichst großer Fertigungsanteile in eine werkmäßige Herstellung unter kontrollierten und optimalen Bedingungen ermöglicht eine potenziell hervorragende Bauqualität und reduziert Zeit sowie Aufwand auf der Baustelle auf ein Minimum. Das spart Bauzeit, Lärm, Sperrzeiten und im Idealfall Kosten. Gleichzeitig entstehen hohe Qualität und kurze Bauzeiten vor Ort.
Unsere Lösung
Der Fertigteilbau bietet schon seit längerem verschiedene Lösungen wie Brückenträger aus Stahl- und Spannbeton, Verbundfertigteile und vorgespannte Verbundfertigteile mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung. All diese Bauverfahren können wir in unserem eigenen Fertigteilwerk umsetzen. Zusätzlich entwickeln wir gemeinsam mit Partnern aus regionalen Hochschulen und Ingenieurbüros – unter anderem Curbach Bösche Ingenieurpartner, sbf Ingenieure und die HTW Dresden – innovative Lösungen.
Die IVT-Bauweise
Der invertierte Verbundträger (IVT) greift die bereits vor Jahrzehnten verfolgte Idee eines Verdrängungsrohrs im Betonquerschnitt auf, entwickelt sie weiter und vermeidet die Nachteile historischer Ausführungen. So entsteht ein extrem leistungsfähiges und vollmodulares System für Überbauten.
Die ursprüngliche Idee des Verdrängungsrohrs ist einfach und zugleich überzeugend: Durch einen Hohlkörper entsteht ein statisch äußerst effizienter Querschnitt bei äußerlich kompakter und robuster Geometrie. Der durch den Hohlkörper eingesparte Beton muss weder hergestellt noch vorgespannt, transportiert oder montiert werden. Die praktische Umsetzung war historisch jedoch oft mangelhaft; Korrosionsschäden an vergleichsweise jungen Bauwerken führten dazu, dass die Technologie in den Hintergrund rückte.
Unsere IVT-Bauweise macht aus diesem früheren Defizit einen Vorteil: Der Hohlkörper wird als robuster Stahlquerschnitt gefertigt, während der Produktion präzise in seiner Solllage gehalten und mit geeigneten Verbundmitteln aktiv an der Lastabtragung beteiligt. Technisch betrachtet handelt es sich um einen luftdicht verschweißten und auf Dichtheit geprüften stählernen Kasten nach ZTV-ING 4.2. Die Dichtheit kann auch während der Lebensdauer des Bauwerks wiederholt überprüft werden.
Eine vorbestimmte Anzahl dieser feldlangen Fertigteile bildet die Basis für die Herstellung von Überbauten ohne zusätzliche Baubehelfe. Die erforderliche Querverteilung und Robustheit wird durch eine durchgehende Ortbetonergänzung erzielt. Mit der IVT-Bauweise können Überbauten der bekannten DDR-Baureihen BT50 und BT70 bei Beibehaltung des Lichtraumprofils ersetzt werden. Während diese Baureihen lediglich für die Brückenklasse BK30 ausgelegt waren, ist die IVT-Bauweise für das aktuell geltende Lastmodell LM1 des Eurocodes bemessen.
Die Schnellbaubrücke mit Trockenfuge
Der Zeitraum zwischen Montage und voller Belastbarkeit einer Brücke kann durch vorgespannte Trockenfugen nochmals deutlich verkürzt werden. Die einzelnen Fertigteile werden auf der Baustelle montiert und anschließend mithilfe von Spanngliedern zusammengepresst. Die Kraftübertragung in der Kontaktfuge erfolgt ausschließlich über die Vorspannkraft, ohne Verklebung oder weitere Hilfsstoffe. Auf diese Weise wird die volle Belastbarkeit des Überbaus innerhalb eines Tages erreicht.
Das Konzept wurde von Hentschke gemeinsam mit der HTW Dresden und der RWTH Aachen entwickelt. Es ist vollständig modular ausgelegt und lässt sich an unterschiedliche Randbedingungen anpassen. Die Schnellbaubrücke ist vollständig rückbaubar; die Einzelteile können anschließend an einem neuen Standort wiederverwendet werden. Die praktische Erprobung erfolgte im Rahmen einer temporären Bundesstraßenumfahrung an der B178 westlich von Freiberg in Sachsen. Nach einer Betriebszeit von 14 Monaten ohne Auffälligkeiten wurde das Bauwerk zurückgebaut und alle Komponenten für die Wiederverwendung vorbereitet.